Vor dem Start — Ultra-Debüt

Am Mittwoch bin ich im Fichtelgebirge angekommen und bin direkt noch 2 Stunden Rad gefahren, um die Höhenmeter mal kennenzulernen. Am Donnerstag stand eine leichte Gym-Session an. Am Freitag ging es dann los: Zusammenkommen am Kornberghaus, Startnummern abholen und andere Läufer sowie das Team vom FichtelUltra kennenlernen. Abends habe ich noch fleißig meine Laufweste gepackt, Carboloading gemacht und bin früh ins Bett gegangen.

Das Rennen — Kilometer 0 bis 51

Unterwegs gibt es Wasserpunkte (W) und Verpflegungspunkte (VP).

KM 0 – VP1: Samstagmorgen, 06:50 Uhr am Kornberghaus. Und um 07:00 Uhr ging es dann los! Startschuss. Dunkelheit und leichte Feuchtigkeit.

Kurz vor dem Startschuss: Stirnlampen an, Daumen hoch.Foto: privat

Direkt in die ersten Höhenmeter. Hier habe ich mich auch noch sehr gut gefühlt. Ich konnte gut Tempo aufnehmen, ohne dass ich das Gefühl hatte, zu schnell zu sein. Nach dem ersten Anstieg (Km 1: 9:26 /km bei 125 Hm) liefen die nächsten Kilometer zwischen 5:00 und 6:20 /km, und der Puls lag um Km 6 und 7 bei Ø 168–169 bpm (max. 175). Rückblickend war das zu viel. Aber das sollte ich später noch lernen: dass meine Flachlandpace hier nichts zu melden hat.

Herbstlaub, Moos und gute Stimmung: unterwegs in der Gruppe.Foto: privat

Ich musste mich jedoch am nächsten Anstieg aus meiner Startgruppe lösen, da ich das Tempo im Anstieg nicht halten konnte, das die Community hier im Training drauf hat.

Unterwegs zu W1 (Wasser 1) habe ich dann Christian kennengelernt. Gemeinsam haben wir uns bis zum W1 durchgeschlagen und sind dort dann auch nochmal in der Gruppe Richtung nächsten Anstieg gestartet.

Hier wurde es dann auch langsam immer ungewohnter mit den Höhenmetern, und ich habe meinen langsamsten Halbmarathon absolviert: Die 21,1 km waren nach rund 2:27 h geschafft, meine Bestzeit liegt bei 1:57:41. War jedoch auch zu erwarten.

Von allen Gipfeln hat man jedoch nicht so viel mitbekommen, da es den ganzen Tag extrem neblig war.

Seltener Ausblick: Zwischen den Nebelbänken öffnet sich kurz das Tal.Foto: privat
Kurzer Stopp für ein Selfie, mit Laufweste und Flask.Foto: privat

Bilanz bis VP1: 23,7 km in 2:53:03 reiner Laufzeit, Ø 7:18 /km, rund 780 Hm.

VP1 – VP2:

Mit dem Stopp an VP1 bei 23,2 (23,7 bei der Uhr) gab’s dann das erste Mal was zum Auffüllen. Neuer Mix in die Flask, ein wenig Banane und Wasser und kurze Regeneration. Ich lag in meinem Verpflegungsplan. Weiter ging’s!

Die Tour ging dann downhill los: ab durch die Stadt und dann wieder rein in die Anstiege. Hier habe ich langsam das erste Mal ein leichtes Ziehen im Ischiasnerv und im Gluteus gespürt. Von daher hat meine Pace im Allgemeinen ein Stück abgenommen, und Anstiege wurden immer härter und schmerzhafter für mich.

Zwischendurch bekam ich Nachrichten von Freunden und Familie, mit super viel Zuspruch und Anerkennung. Daher hieß es nun nochmal durchbeißen und gucken, dass ich weiterkomme.

Bilanz VP1–VP2: 16,5 km in 2:29:02, Ø 9:02 /km, rund 540 Hm. Ab Km 31 sank die Pace auf rund 10 Minuten pro Kilometer, der Puls lag dabei im Schnitt nur noch bei ca. 143 bpm.

VP2 – VP3:

Bei Ankunft an VP2 war schon das erste Mal „DNF“ im Kopf. Da VP2 & VP3 jedoch am selben Standort am Fichtelsee waren, habe ich mich entschlossen, den Loop, also die Schleife zurück zum Fichtelsee, noch zu drehen und mir zu beweisen: Ich kann das. Positiv bis hierhin: Ich war immer noch in meinem Verpflegungsplan und habe mich gut gefühlt. Aber auf dem Weg zum Ochsenkopf hoch wurde mir immer klarer: Pace raus, Schmerz reduzieren. Und den Loop zu Ende bringen.

Bilanz VP2–VP3: Nach rund 12 Minuten Pause an VP2 waren es 11,3 km in 1:42:42, Ø 9:08 /km, rund 350 Hm. An den Anstiegen lief ich zuletzt nur noch mit rund 180–250 W, am ersten Berg waren es noch 347 W.

KM 51 — VP3: Schluss.

Die Entscheidung am VP3

Kleine Anstiege wurden zur Last. Am Ende kam dazu, dass ich mein Bein nicht mehr so weit heben konnte, dass ich die Anstiege noch geschafft hätte. Der langsamste Kilometer der letzten Etappe (Km 46, rund 54 Hm) dauerte 12:38 Minuten, bei einem Puls von nur ca. 128 bpm. Das Herz-Kreislauf-System war nicht das Problem, die Beine konnten nicht mehr. Daher dann die Entscheidung am Ende. Hier geht’s um Gesundheit. Und das Ziel: IRONMAN Hamburg 2027 darf ich mir nicht durch Verletzung zerstören. Ich wusste, dass hier auch noch ein paar sehr anspruchsvolle Anstiege vor mir liegen, die ich in dem Zustand nicht so laufen könnte, wie ich wollte.

Fazit — DNF

Eine der größten Erfahrungen für mich waren die Höhenmeter: Als jemand aus dem hohen Norden ist das eine komplett neue Erfahrung. Auch in der Vorbereitung bekomme ich so etwas einfach nicht in den Massen simuliert.

Die Bilanz laut Strava: 51,45 km, 1.643 Hm, 7:04:48 reine Laufzeit (7:20:59 inklusive Pausen), Ø 8:15 /km, Ø Puls 149 bpm.

Die Strava-Auswertung: Höhenprofil, Puls und Splits pro Kilometer.Foto: Strava

Daher bin ich trotz des DNF sehr glücklich und zufrieden mit meiner Leistung. Der restliche Verlauf des Rennens hat mir auch gezeigt: Ich bin fit genug, meine Verpflegung war gut geplant. Nur die Muskeln und die Verletzung müssen mit Respekt anerkannt werden!

Danke

Vielen Dank an das gesamte Team vom FichtelUltra. Die Organisation, die Stimmung und einfach alles hat hier gepasst. Es war ein richtig schönes Event mit einer großartigen Community, und ich bin froh, hier am Start gewesen zu sein! Ein besonderer Dank geht an Tami und Fabi, die VP2 und VP3 betreut haben und mich nach meinem Ausstieg mit dem Auto mit ins Ziel genommen haben. Im Jahr 2027 gehe ich das Ganze nochmal an, mit dem Ziel, die 72 km ins Ziel zu bringen.

Wie es weitergeht

Für mich geht es nun noch in die Regeneration. Und dann starte ich in die fokussierte Vorbereitung für den IRONMAN Hamburg im Jahr 2027. Und im Idealfall stehe ich nächstes Jahr wieder an der Startlinie, wenn es heißt: „FichtelUltra XII“